"Laut ihr Singen aus vollen Herzen, als verbrennten die Kerzen alle Schmerzen" – so gibt der Nürnberger Autor Godehard Schramm seine Eindrücke von der polnischen Messe in Nürnberg wieder. Tatsächlich treffen sich jeden Sonntag um 12 Uhr in St. Josef mehrere Hundert gläubige Polen um gemeinsam den katholischen Gottesdienst zu feiern. Leiter der Polnischen Mission in Nürnberg ist Pater Stanislaw Stenka. Seit sechs Jahren lebt er hier – und gibt den hier lebenden Polen ein Stück ihrer Heimat wieder.Der Tisch im Haus der Paters in der Arminiusstraße will kein Ende nehmen. "Gäste sind jederzeit willkommen", erklärt er mit einer einladenden Geste. Jederzeit – das heißt immer, rund um die Uhr. Den wie andere Pfarrer auch, so hat Pater Stenka immer "Bereitschaft". Wenn etwas ist, in Notfällen oder wenn jemand beichten möchte, dann steht die Tür offen 24 Stunden am Tag.Gerade jetzt ist der Terminkalender des Paters gut gefüllt. Das Ende der Weihnachtszeit steht bevor für die Polen. Dort wandert nicht wie hierzulande der Christbaum spätestens an Heilig-Drei-König zur Sammelstellen. Die Polen zelebrieren Weihnachten bis Anfang Februar. Und dann kommt die Zeit, wo der Pfarrer von Haus zu Haus zieht, mit den Familien betet und lange Gespräche mit ihnen führt. Jedenfalls in Polen, in den kleinen Dörfern. In Nürnberg schafft Paret Stenka es nicht, alle 3500 Mitglieder der polnischen Gemeinde zu besuchen. Aber einige haben sich extra angemeldet. Sie erwarten ihn. Da wir er natürlich hin gehen.Warum die hier lebenden Polen einen eigenen Gottesdienst brauchen? "Weil vieles doch anders ist", berichtet ein Mitglied aus der Gemeinde. Alleine die Weihnachtslieder: "Wir kennen über 40 verschiedene". Und für neu hinzu-kommende sei die Gemeinde ohnehin eine wichtige Anlaufstelle. "Der Kontakt zu den Landsläuten ist ja auch wichtig", sagt der Kirchgänger. Überhaupt der Zusammenhalt sei beson-ders groß, so betonen Gemeinde-mitglieder. Viele Feste sind es, die der polnische Kalender kennt. Zum allseits bekannten Muttertag gesellen sich Omatag und Opatag. Das sei es, was manche Polen hier ein wenig vermissen, sagt ein andrer aus der Gemeinde mit Vorsicht:" Der Zusammenhalt unter-einander bei großen Festen ist vielleicht nicht so ausgeprägt". So etwas wie der 4. Juli der Amerikaner, wo alle gemeinsam feiern das gebe in Deutschland kaum. "An den Feiertagen in Polen sind wir für einander da", schwärmt er. "Ganz egal, ob man sich vorher schon nahe war oder vielleicht Streit hatte."Platz zum Feiern hat die polnische Gemeinde in eigenen Räumen in de Harmoniestraße in Wöhrd. In einem kleinen Andachtsraum steht dort auch im Februar eine große Krippe. "Jedes Jahr wird sie ein klein wenig anders aufgebaut", sagt Pater Stenka und blickt auf Maria, Josef und das Jesuskind. Sonst sei in den Räumen alles was man braucht. Ein Zimmer für den Seidenmalkurs, ein Fernseher, ein Gemeinschaftsraum mit Bar und eine "Kuchnia" – eine Küche. Fehlt noch etwas ? "Vielleicht ein zweiter Pater, der fest in der Gemeinde arbeitet", lacht Pater Stenka., "Dann hätte ich noch mehr Zeit für die Gemeindearbeiten!".
(von Rurik Schnackig) |